Automatischer Standby mit Windows Server 2008 R2

Ein Server muss gerade im Heim- oder SOHO-Bereich nicht rund um die Uhr laufen. Geht der Server bei Inaktivität automatisch in den Standby, lassen sich schnell eine ganze Menge Stromkosten sparen.

Für den Windows Home Server (WHS und WHS2011) gibt es hierfür das nützliche Addin Lights-Out. Wie sich das unter einem vollwertigen Windows Server 2008 R2 ebenfalls realisieren lässt, steht in diesem Artikel.

Standby unter Windows Server 2008 R2

Das Pendant zu Lights-Out ist unter Windows Server 2008 das Tool ObServer. Dieses ist etwas weniger komfortabel, dafür aber erfreulicherweise komplett kostenlos. Ein Dank geht an dieser Stelle an den Entwickler Daniel Kuczewski, der das Programm der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt hat.

Ähnlich zu Lights-Out wird auf dem Server ein Dienst installiert, der verschiedene Quellen überwacht (siehe hier).

Auf den Clients genügt die einzelne Datei ObClient.exe, welche sich ins System-Tray minimiert und den Server bei Bedarf wieder automatisch aufweckt.

Troubleshooting

Falls es, was durchaus nicht unwahrscheinlich ist, Probleme mit ObServer und/oder dem Standby-Modus gibt, möchte ich einige häufige Punkte hier aufzeigen.

ObServer erkennt aktiven Client nicht

Lässt man den ObServer verschiedene Computer überwachen und geht trotz aktiver Clients in den Standby, geht man wie folgt vor:

  1. ObServer Status kontrollieren. Rechter Mausklick auf das ObServer- oder ObClient-Symbol in der Taskleiste, Status abfragen. Wird nun trotz Aktivität nicht angezeigt „Server wird wachgehalten durch: [mein-client]“, weiter mit 2.
  2. Client manuell anpingen. Man gibt in der Kommandozeile zunächst ping [mein-client] ein. Falls das funktioniert, hat man sich wahrscheinlich in der ObServer-Konfiguration vertippt.
  3. Client-Firewall einrichten. Funktioniert der manuelle Ping nicht, muss man an dieser Stelle angreifen. Das Vorgehen habe ich in einem separaten Artikel beschrieben.

Server geht nicht in den Standby

Sollte ObServer den Server nicht in den Stanby versetzen können, prüft man zunächst, ob der Computer überhaupt in den Energiesparmodus versetzt werden kann. Dazu legt man eine BAT-Datei mit folgendem Inhalt an:

powercfg /hibernate off
rundll32.exe powrprof.dll,SetSuspendState

Sollte der Computer nach Ausführen der Batch-Datei nicht nach einigen Sekunden in den Standby gehen, gibt es folgende Möglichkeiten:

  1. Treiber korrekt installieren. Windows-eigene Treiber unterstützen bspw. oft gar keinen Standby. Im Gerätemanager kontrollieren, ob alle Treiber korrekt installiert und auf dem neusten Stand sind.
  2. Enerieverwaltungsbericht erstellen. Die cmd.exe „als Administrator ausführen“, powercfg -energy eingeben und die Eingabetaste drücken. Nach einer Minute hat man einen umfangreichen Bericht vorliegen (unter C:\Benutzer\xyz\energy-report.html oder C:\Windows\system32\energy-report.html).
  3. Hyper-V deaktivieren. Wer Hyper-V installiert und den Power Management Report unter Punkt 2 aufmerksam gelesen hat, stellt fest, dass die Virtualisierungslösung den Standby verhindert. Hier hilft nur auf bspw. VirtualBox umzusteigen oder sich den Standby aus dem Kopf zu schlagen. Oder man versucht sein Glück mit Windows Server 2012, denn dieser soll den Sleep-Modus auch mit aktiviertem Hyper-V unterstützen, siehe hier.

Server lässt sich nicht aus dem Standby aufwecken

Wake-on-LAN (WOL) funktioniert nicht

Kann man den Server nicht übers Netzwerk wecken, sollte man wie folgt vorgehen:

  1. MAC-Adresse prüfen. Zunächst sollte man sicher sein, dass im Router und/oder WOL-Tool die korrekte MAC-Adresse des Servers eingetragen ist. Oft verschläft bspw. eine FRITZ!Box beim Neuaufspielen des Servers die MAC automatisch zu aktualisieren und das WOL geht nicht mehr. Dazu auf der FRITZ!Box-Oberfläche den Server in der Netzwerkliste entfernen.
  2. BIOS-Einstellungen prüfen. Im BIOS müssen je nach Hardware Optionen wie „Wake on LAN“, „Wake over onboard LAN“, „Wake over PCI/PCI-E devices“ aktiviert sein. Hilft das nichts, dann evtl. ein BIOS-Update oder beu neueren Mainboards das Deaktivieren besonderer Optionen wie „EuP 2013“.
  3. Treiber-Einstellungen prüfen. Natürlich sollte der aktuelle Netzwerktreiber installiert sein. Im Geräte-Manager in den Eigenschaften des Netzwerkadapters prüfen, ob unter Energieverwaltung die Option „Gerät kann den Computer aus dem Ruhezustand aktivieren“ und unter Erweitert Optionen wie „Wake on Magic Packet“, „Wake on LAN herunterfahren“ aktiviert sind.
  4. Hardware prüfen. Man sollte probieren, den Server direkt über ein Crossover-Kabel per WOL zu wecken. Falls es dann funktionieren sollte, macht womöglich ein Switch Probleme.

Per Tastatur oder Maus wecken funktioniert nicht

Im Prinzip geht man ähnlich vor wie beim WOL:

  1. BIOS-Einstellungen prüfen. Im BIOS müssen je nach Hardware Optionen wie „Wake over USB device“, „Wake over keyboard“, „Wake over mouse“ aktiviert sein. Hilft das nichts, dann evtl. ein BIOS-Update oder beu neueren Mainboards das Deaktivieren besonderer Optionen wie „EuP 2013“.
  2. Treiber-Einstellungen prüfen. Im Gegensatz zu Windows 7 erlaubt Windows Server Eingabegeräten standardmäßig nicht das Wecken des Computers. Um das zu beheben aktiviert man im Geräte-Manager in den Eigenschaften des Eingabegeräts (den richtigen Eintrag unter Tastaturen oder Mäuse und andere Zeigegeräte finden) unter Energieverwaltung die Option „Gerät kann den Computer aus dem Ruhezustand aktivieren“.
  3. Powercfg bemühen. In der Kommandozeile powercfg -devicequery wake_armed eingeben und bestätigen. Es werden alle Geräte aufgelistet, die den Computer wecken können. Statt wake_armed gibt es noch die Optionen wake_programmable und wake_from_any. Diese listen alle Geräte, die generell das Wecken unterstützen.
  4. Hardware prüfen. Ist man an dieser Stelle immer noch nicht weiter, sollte man es mal mit anderen Eingabegeräten probieren und evtl. auch mal den Hersteller wechseln.

Fazit

Den Server automatisch in den Standby gehen zu lassen schont nicht nur die Umwelt sondern auch den Geldbeutel. Kleines Rechenbeispiel:

Idle-Stromverbrauch: 60W
Standby-Verbrauch:    2W
Standby-Anteil:      50% (für einen Homeserver durchaus realistisch!)
Kosten pro kWh:    0,20€
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Jährliche Kosten ohne Standby: 525 kWh / 105 €
Jährliche Kosten mit Standby:  272 kWh /  54 €
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Ersparnis pro Jahr:            253 kWh /  50 €

Die Software ist kostenlos und erfordert nicht viel Einrichtungsaufwand. Für mich lohnt es sich!

Über eure Rückmeldung zum Thema freue ich mich. Hinterlasst unten einfach einen Kommentar. Danke!

Quellen und weiterführende Links

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